Der Weltenretter Ohnmacht

Immer wieder werden um mich herum Stimmen laut, die sagen, dass die Welt dieses Jahr gar nicht untergeht. Ethnologen sagen, wir würden die Mayaschriften nur falsch übersetzen, Kolleginnen behaupten, es wäre eine Ansammlung von Zufällen, dass der Maya-Kalender im Dezember endet und die Planeten in einer seltsam seltenen Konstellation stehen. Die Eigenart des Datums 20.12.2012 hat sie dabei übersehen. Und sie ist trotz allem nervös. Die Kollegin. Erwähnte ich schon dass der Weltuntergang, koste es, was es wolle, allen Zweiflern zum Trotz stattfinden wird?

Denn wenn man ehrlich und genau darüber nachdenkt, stellt sich die Frage, wer den Weltuntergang eigentlich verhindern soll. Wer, liebe Weltuntergangsgemeinde, könnte in der Lage sein, eine solche Heldentat zu vollbringen?

Wir Menschen schaffen die denkbar besten Voraussetzungen für den Untergang. Wir holzen den Regenwald ab. Wir pumpen tonnenweise Treibhausgase in die Luft. Wir werden zu Vege … Nein, das stimmt nicht. Andere werden zu Vegetariern, weil das doch besser sei und vernichten damit die Lebewesen, welche die Treibhausgase neutralisieren sollten. Die Tiere, die tonnenweise Treibhausgase produzieren, darf man ja nicht mehr essen, ohne von einem großen Teil der Menschheit geächtet zu werden. Und … wir machen es den Helden dieser Welt unmöglich, die Welt zu retten.

Wie das, fragt ihr euch. Wie machen wir es den großen Helden unmöglich, uns zu retten? Nun, Bäume sind nicht das einzige, was auf dieser Welt verschwindet. Es verschwindet noch viel mehr. Teppichstangen zum Beispiel. Was habe Teppichstangen und ihr Verschwinden mit dem Weltuntergang zu tun? Ganz einfach. An einer Teppichstange kann man mal eben im Vorbeilaufen 10 Klimmzüge machen und die Superheldenmuskeln in Form halten.

Antennen verschwinden von den Dächern. Nein, sie sind schon verschwunden. Aber Antennen helfen nicht die Welt zu retten. Die Sache mit den Antennen ist eher Nostalgie. Aber als die Antennen noch waldähnlich die Großstädte zierten, hörte man auch noch allerorts hin und wieder einen Überschallknall. Der Lärmschutz verbietet inzwischen Überschallknalle. Das heißt, Superman würde zu spät kommen, um irgendwelche Katastrophen zu verhindern, weil er nicht schnell genug fliegen darf. Und pfadfinderhaft, wie Kal El ist, wird er das Tempolimit „Schallgeschwindigkeit” ganz sicher nicht überschreiten.

Früher – ja, früher, als alles noch besser war – wurde auch die Alarmsirenen regelmäßig getestet. Ich erinnere mich deutlich, dass jeden Mittwoch um 13:00 Uhr die Sirene losging. Wer will uns da eigentlich rechtzeitig vor der Katastrophe warnen? Und vor allem wie?
Vor allem aber vermisse ich eine Sache, deren Fehlen den Superhelden die Weltenrettung deutlich erschwert: Telefonzellen. Und was das Fehlen der Telefonzellen mit dem Weltuntergang zu tun hat, erkläre ich euch nach der nächsten Maus.

(Bitte stellt euch jetzt einen kurzen Zeichentrickfilm mit einer orangefarbenen Maus und einem blauen Elefanten vor.)

Was ist das wichtigste für einen Superhelden? Nein, es ist nicht seine Superkraft. Es sind auch nicht irgendwelche technischen Spielzeuge. Es ist ihre Anonymität. Könnte es sich Bruce Wayne leisten, ohne Maske den Joker zu verprügeln? Nein, könnte er nicht. Jokers Gang würde in diesem Falle wohl ohne zu zögern Alfred umnieten. Genauso wenig könnte Clark Kent in seinem schicken grauen Anzug aus dem Kaufhaus und mit seiner Brille Lex Luthor entgegentreten? Nein, Luthor würde als allererstes den Daily Planet wegbomben. Mit allen, die im Gebäude sind. Nein, Superhelden müssen sich verkleiden. Und jetzt schaut nochmal in die Comics! Wo zieht Clark Kent sich um, wenn Gefahr droht und wird zu Superman? Richtig! In einer Telefonzelle. Die Telefonzellen verschwinden. Wo also soll sich Superman umziehen? Er muss sich also ein Textilkaufhaus suchen, warten, bis eine Umkleidekabine frei wird, sich umziehen und dann (mit Unterschallgeschwindigkeit) zum Ort der Katastrophe eilen. Abends und nachts hat er ein Problem, weil er kein offenes Kaufhaus finden wird. Superman wird also in der Nacht vom 20. Zum 21. Dezember 2012 nicht zur Verfügung stehen und muss ohnmächtig mit ansehen, wie die Welt untergeht.

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